Filmnews vom 18. März 2022

  • Teil 1 - «The Batman»: Ein Zeichen aus der Dunkelheit


    Robert Pattinson ist als neuer Batman zurück. Der Warner Bros.-Spielfilm soll nicht nur an den Kinokassen funktionieren, sondern der Start eines HBO Max-Franchises werden.


    Spider-Man hat‘s kürzlich vorgemacht. Trotz Pandemie spielte «Spider-Man: No Way Home» weltweit über eine Milliarde Dollar ein. Das Publikum ist also weiterhin heiß auf Actionware. Prompt fliegt mit «The Batman» ein weiterer Comic-Held auf die Leinwand. Zehn Jahre ist es her, dass Christopher Nolan seine «The Dark Knight»-Trilogie mit Christian Bale in der Titelrolle abgeschlossen hat. Danach zog sich Ben Affleck für die «Justice League»-Filmreihe die Fledermaus-Maske über und sollte auch seinen eigenen Solo-Film als Batman bekommen. Aber er stieg zuerst als Regisseur und danach ebenso als Darsteller wieder aus dem Projekt aus, weil es ihm an Leidenschaft fehle, so die Begründung. So bekommen wir jetzt «Twilight»-Star Robert Pattinson vorgesetzt. Der 37-Jährige, der Mistreiter wie Nicholas Hoult («X-Men») und Armie Hammer («Lone Ranger») ausstechen konnte, gibt sich alle Mühe, die Rächer-Rolle neu zu interpretieren. Aber eigentlich ist es ja wurscht, wer unter der Maske steckt, ließ schon George Clooney 1997 verlauten, als er In «Batman & Robin» Nachfolger von Michael Keaton und Val Kilmer wurde. Mit knapp 100 Mio. Dollar liegt «The Batman» aber weit unter dem Budget von «The Dark Knight Rises» (250 Mio. Dollar). Dabei stand der Dreh wegen Corona anfangs unter keinem guten Stern. Am 27. Januar 2020 fiel die erste Klappe für «The Batman», dann kam der erste Lockdown. Als es im September 2020 weitergehen sollte, erkrankte ausgerechnet Pattinson an COVID-19. Nach mehr als einem Jahr konnten die Dreharbeiten im März 2021 endlich abgeschlossen werden.


    Mordserie in Gotham City


    Tagsüber ist er der Milliardär Bruce Wayne (Robert Pattinson), nachts verwandelt er sich in Batman, um in Gothum City das Verbrechen zu bekämpfen. Die Stadt wird von Korruption beherrscht, und dagegen scheint auch der dunkle Rächer nichts ausrichten zu können. Als eines nachts Bürgermeister Don Mitchell (Rupert Penry-Jones) ermordet aufgefunden wird, alarmiert Polizei-Lieutenant (Jeffrey Wright) auch Batman, der am Tatort auf eine geheime Botschaft stößt, die direkt an ihn gerichtet ist. Anscheinend will ein Verrückter die Dinge jetzt selbst in die Hand nehmen und fängt gleich ganz oben an. Weitere Morde geschehen, und jedes Mal gibt es eine rätselhafte Botschaft, unterschrieben mit The Riddler. Bei seinen Ermittlungen stößt Bruce auf die Kellnerin Selina Kyle (Zoë Kravitz), die wie er ein Doppelleben als diebische Catwoman führt. Währenddessen enttarnt sich The Riddler als ein gewisser Edward Nashton (Paul Dano), der nun von allen verlangt, dass sie sich zu erkennen geben.


    Alles wieder auf Anfang


    An die vorherigen Verfilmungen will «The Batman» nicht anschließen. Regisseur Matt Reeves («Planet der Affen: Survival») fängt quasi wieder von vorn an, wenn er Bruce Wayne alias Batman in Gothum City für Gerechtigkeit und gegen das Verbrechen kämpfen lässt. Während er in Catwoman dann doch eine Verbündete findet und es dabei auch etwas knistern darf, tauchen neben Paul Dano («There Will Be Blood») noch weitere Figuren aus der Schurken-Ahnenreihe der Comics auf. An vorderster Front Colin Farrell («Alexander») als Gangster Oz alias The Pinguin. Allerdings ist Farrell hinter seiner fiesen vernarbten Maske gar nicht mehr wiederzuerkennen. Batmans treuer Mentor Alfred wird diesmal von Andy Serkis («Der Herr der Ringe») dargestellt, allerdings nicht mehr als unterwürfiger Hausdiener, sondern als Schlüsselfigur, die das dunkle Geheimnis der schwerreichen Familie Wayne kennt. Das übliche Batman-Personal scheint damit fast vollständig zu sein, und dennoch will Matt Reeves mit seiner Neuinterpretation auch neue Wege gehen.


    Die Dunkelheit dominiert


    Wie schon Christopher Nolan in seiner «The Dark Knight»-Trilogie wird Batman auch diesmal wieder als schwermütiger und zweifelnder Antiheld initialisiert, und so wie ihn Robert Pattinson spielt, scheint er noch tiefer gesunken zu sein. Ein Nachtwesen mit dunklen Augenringen und leicht gebückter Haltung. «The Batman» ist damit sicherlich der düsterste Film über den neben Superman berühmtesten DC-Comichelden. Dementsprechend dominieren dunkle Bilder die Leinwand. Meist ist es sowieso nachts und oft sind die Szenerien nur spärlich ausgeleuchtet. Visuell kann der Film also durchaus beeindrucken, und actionmäßig wird auch wieder einiges geboten. Aber mit einer Länge von drei Stunden kommt das angestrebte Tempo immer wieder zum Erliegen. «The Batman» bleibt damit dann doch hinter den Filmen von Christopher Nolan. Robert Pattinson meistert seine Rolle besser als Ben Affleck. Am Werbeeffektivsten könnte sich jedoch der doppeldeutige Slogan auf den Erfolg auswirken: ‚Die Masken werden fallen‘ – ein prophetischer Wunsch nicht nur für Batman.


    Fazit: Der neue Batman will mehr Krimi als Superhelden-Actionspektakel sein. So viel mehr als seine Vorgänger wird dann doch nicht erzählt. Auf drei Stunden ausgewalzt, verlangt das auch noch viel Sitzfleisch. Dafür beeindrucken die düsteren Kulissen und der aufpeitschende Musikscore.


    Quelle: https://www.quotenmeter.de/n/1…eichen-aus-der-dunkelheit


    Teil 2 - «Eine fremde Tochter»


    Hannah Schiller spielt eine traumatisierte Tochter, Mark Waschke ihren schwulen Vater. Wird daraus sehenswertes Fernsehen?


    Das Leben ändert sich manchmal in Sekunden – unverhofft und völlig brutal. So wie für die Neuntklässlerin Alma (Hannah Schiller), die mit einem Lächeln im Gesicht zusammen mit ihrer Mutter durch die Stadt schlendert. Bei einer roten Ampel bleiben sie stehen, bei Grün laufen sie los – und Almas Mutter wird von einem heranrasenden Auto angefahren. Ihr lebloser Körper fliegt durch die Luft, und Alma weiß sofort: Ihre Mutter ist tot.


    Der Schock sitzt tief, und auch ihr familiäres Umfeld ist von dem Schicksalsschlag schwer getroffen. Es stellen sich aber auch sehr unmittelbare Fragen: Wo soll Alma wohnen? Bei ihrem Vater? Das wäre nicht ganz unkompliziert. Almas Eltern lebten seit vielen Jahren getrennt, denn ihr Vater hat sich kurz nach ihrer Geburt als schwul geoutet und lebt nun mit einem Mann zusammen. Zwar sieht Alma ihren Vater regelmäßig, der Kontakt ist nie eingeschlafen – aber eine wirklich enge emotionale Bindung, die ihr dabei helfen kann, diesen schweren Schock zu verkraften? Da ist nicht nur Vater Oliver (Mark Waschke) selbst skeptisch.


    Deutlich offener zeigt sich dagegen sein Lebensgefährte Felix (Wanja Mues) – und ganz besonders Almas Tante Franziska (Franziska Hartmann), die ihren betagten Eltern nicht zutraut, sich um die Enkelin zu kümmern, ohne selbst daran Schaden zu nehmen. Also probiert Alma den Tapetenwechsel aus und zieht zu ihrem Vater und dessen Mann in die gemeinsame Wohnung. Auch wenn, insbesondere wegen Almas psychischen Ausbrüchen, von Beginn an nicht alles völlig reibungslos verläuft, scheinen sich doch alle einzuleben und einander vertrauen zu lernen.


    Bis plötzlich ein Junge aufkreuzt, der Almas Nähe sucht und sie mit zu seinen Eltern nimmt. Die ganze Familie gehört zu den Zeugen Jehovas, einer christlichen Sekte, die Bluttransfusionen und Homosexualität strikt ablehnt und für eine schwere Sünde hält. Je mehr Zeit sie mit dem Jungen und seiner Familie verbringt, desto mehr übernimmt auch Alma die Glaubensgrundsätze dieser Religionsgemeinschaft, was natürlich einen Keil zwischen sie und die gerade wieder aufkeimende Beziehung zu ihrem Vater treibt.


    Überraschend kommt diese Wendung auf jeden Fall – schließlich würde man nicht erwarten, dass in einem Dramafilm um ein Mädchen, das seine Mutter verloren hat und nun eine Beziehung zu ihrem schwulen Vater aufbaut, eine Wendung über die Verführung zu einer Religion mit fragwürdigen Glaubensgrundsätzen genommen wird, die in unsere heutige Gesellschaft schwer passen: Dass auch schwule Männer genauso tolle Väter sein können wie heterosexuelle Männer, ist schließlich in der Breite der Gesellschaft längst angekommen. Nicht zuletzt deshalb scheint diese Handlungsentwicklung mitunter etwas seltsam – vielleicht weil sie in Teilen so wirkt, als habe man einen möglichst scharfen Kontrast schaffen wollen, um zu zeigen, mit welchen äußeren Konflikten eine Beziehung wie die von Alma und ihrem Vater belastet werden kann. Dass man dafür aber auf eine absolute Randerscheinung zurückgreift (die Mitgliederzahl der Zeugen Jehovas in Deutschland ist trotz zahlreicher Besuche an der heimischen Haustür vor der Pandemie verschwindend gering), nimmt diesem Argument aber etwas die Schlagkraft.


    Trotzdem ist recht vieles an dem Film überzeugend – zum Beispiel die gelungene Performance von Hannah Schiller und Mark Waschke, die ihre jeweiligen Figuren sehr authentisch und lebensnah verkörpern. Vieles an der Handlung wird zudem einige Menschen ansprechen, deren zwischenmenschliche Beziehungen selbst nicht immer glatt gelaufen sind und die vielleicht deshalb gerade in schweren Zeiten eine neue Gemeinsamkeit finden können.


    Quelle https://www.quotenmeter.de/n/1…tiker-eine-fremde-tochter

    ~~ So wie oben, so auch unten ~~

  • Lotar

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